Samstag, 22. April 2017

Die Matronenverehrung - lebendiges Heidentum

In der Eifel, in der Nähe von Euskirchen, befinden sich bei den Orten Nettersheim, Pesch und Zingsheim wahrscheinlich die bedeutendsten Tempel der Matronenverehrung überhaupt –  die meisten Matronentempel wurden durch Kirchen und (Marien)-Kapellen überbaut oder auch ganz weggebaggert.Das Besondere dabei ist, dass es sich wohl um einige der ganz wenigen, wenn nicht vielleicht die einzigen Plätze einer durchgängigen  heidnischen Verehrung seit mehr als 2500 Jahren handelt. Die abgelegene und idyllische Lage mit heiligem Hain bot anscheinend wenig Anreiz für eine Christianisierung mit kirchlicher Überbauung.

Das hauptsächliche Anwendungsgebiet (bei den Aufanien) ist die Abwehr ungerechter Schädiger und eine positive Änderung des Wyrds der Opfernden. Sonst werden Fruchtbarkeit und Schutz des Landes genannt. Wichtiges Element des Matronen-Blót s sind die Gelübde. Die Votivsteine mit den niedergeschrieben Gelübden römischer Offiziere, reicher Spender für die Tempel meist, zeugen davon.
Diese germanischen und keltisch-germanischen Göttinnen der Stämme der Vacali, der Eburonen und Ubier u.v.a.Matronen bei Wikipedia - also germanischer und keltisch-germanischer Stämme wurden auch von römischen Soldaten fleißig beopfert und verehrt. Ein bekanntes Merkmal des römischen Heidentums, auch fremden Göttern zu opfern und diese mit eigenen Göttern gleichzusetzen und manchmal auch einfach "mitzunehmen". Diesen römischen Soldaten und Beamten verdanken wir wahrscheinlich heute die Überreste in Form von Votivaltären und Tempelmauern, denn die Römer besaßen die finanziellen Mittel diese zu errichten. Zudem entsprach es ihrer Tradition steinerne Tempel mit Mauern zu errichten, die die germanischen Erdaltäre mit Einhaselungen natürlich überdauerten. Es kann daher angenommen werden, dass sich vor den heute bekannten Steinmonumenten dort die typischen germanischen Erdältäre oder Ähnliches befanden oder heilige Bäume, Flüsse oder Quellen, die auch der Matronenverehrung dienten. Die Abbildungen der Matronen auf den Votivsteinen der römischen Soldaten und Offiziere und Beamten zeigen ganz unmissverständlich drei weibliche Gestalten mit eindeutig ubischer Kopfbedeckung, also germanische Frauen. Es sind jedenfalls keine Matronenabbildungen mit römischen oder keltischen Frauendarstellungen bekannt, deshalb bezeichnen wir hier den Matronenkult als genuin germanisch, obwohl er auch von keltischen und römischen Heiden mitbetrieben wurde. Ein multikultureller Austausch in der Antike, damit ist eventuell der Zuspruch für die Matronen auch aus dem "alternativen/ feministischen Umfeld"  zu erklären, die dort aber meist "antiken Feminismus" bzw. einen matriarchalischen Kult fälschlicherweise vermuten Eine neuheidnische  Marotte, die man einfach ignorieren sollte, wie auch die konstruierte Überlappung mit einem angeblichen Marienkult, christlichen Heiligen und dergleichen. ;-) Aber prinzipiell entsprach dies den römischen Gewohnheiten vor allem in der Spätantike – eventuell wollte man dann auch eine gewisse „Leere“ auffüllen, da das römische Heidentum sich aufrieb und totlief und durch immer vermessenere Opferzeremonien alten Glanz und Gloria wiederzubeleben versuchte. Da passten doch echte lebendige Natur-Göttinnen, frisch von den „Barbaren“ gut ins Bild, um das Ganze noch einmal aufzufrischen.

Es gibt hunderte von verschiedenen Matronen. Im 5. Jahrhundert wurden die Tempel wohl von christianisierten Franken zerstört, aber mit Sicherheit heimlich und offen und durchgängig bis heute weiterbeopfert - sonst wäre der bis zum heutigen Tage höchst lebendige Matronenkult  vor allem in der weiblichen Bevölkerung der Region, aber nicht nur dort, nicht zu erklären. Auch die versuchte Umwandlung in christliche Heilige oder Ähnliches verlief dort ungewöhnlich oberflächlich und wirkungsloser als sonst.

Man sollte sich aber auch hier vor "Rückspiegelungen" hüten: Der Matronenkult hat nichts mit "Feminismus" zu tun, noch war er Frauen vorbehalten. Noch hatten die Germanen oder auch Kelten ein Matriachat, noch waren die Männer den Frauen unterworfen, obwohl besonders die  germanischen Stämme generalisiert Frauen als mit besonderen Kräften ausgestattet betrachteten und ehrten, die Römer in wesentlich geringerem Masse übrigens. Noch sind die Matronen Vorläufer der Jungfrau Maria mit einer Segnungsfunktion oder eine Art christlicher Heiliger. Nach meinem bisherigen Kenntnisstand war die Religionsausübung um die Matronen ein ganz normaler Bestandteil vorchristlichen heidnischen Lebens, der allen offen stand - bis heute. Und die Matronen griffen u.U. kräftig in Geschehnisse im Sinne des Opfernden ein: als Schädigerinnen von Schädigern, wenn eine Ungerechtigkeit vorlag, vielleicht liegt darin auch die Abneigung gegen deren heutige kultische Verehrung begründet? Einige Männer können angeblich den Tempel überhaupt nicht sehen, wie sie mir berichteten, sie müssten irgendwie zwanghaft "daran vorbeischauen". Ein weiteres Mysterium aus einigen rheinischen Großstädten, wo mir diese eigentümliche Phrase mal öfters auf der Straße begegnete. Ich hoffe aber, dort hegt man keine Aversionen gegen polytheistische Religionen oder gegen weiblich ausgeprägte Spiritualität. 
Betrachtet man die Karte über die Ausbreitung der Matronenverehrung im Rheinland zur Römerzeit und darüber hinaus,  so könnte man allerdings zu dem Schluß kommen, dass es sich hier um die eigentlich genuine Religion der Rheinländer und Eifelnachbarn für lange Zeit gehandelt habe, so ausgeprägt und praktisch überall mit Tempeln und Altären vertreten war diese. Das Bonner Münster, nur um eines der vielen spektakulären Beispiele zu nennen, steht genau auf einem wichtigen Matronenheiligtum, es ist aber bislang ungeklärt, ob dies für die hohe Geburtenrate bei Bonner Frauen verantwortlich ist. ;-).
Bild: Römerzeitliche Matronenheiligtümer, In Prof. Rudolf Simek: Götter und Kulte der Germane, S. 53

Insofern betrachten wir diese und Andere Feindseligkeiten, blödes Benehmen in den Matronenheiligtümern z.B. heute als eine Art Tradition der Nachfahren von Anhängern andere Kulte, Religionen, was auch immer es damals und heute so gab. So etwas war ja auch schon zu heidnischen Zeiten gängig, wie man aus skandinavischen Quellen z.B. bei Dubois erfahren kann: konkurrierende Priester anpöbeln, diese manchmal auch entführen und Dergleichen, aber natürlich äusserst verwerflich, was dann Blutfehden nach sich zog , dies als leicht satirische Überspitzung;-)


Daneben gibt es wohl auch andere Einsatzgebiete der Matronen wie Fruchtbarkeit und als lokale Fluss- und Baumgöttinen etc. Ich vermute aber, dass die Matronen eher im Umkreis der Walküren und Disen anzusiedeln sind und gewisse Bezüge zu den Schicksalsgöttinnen im Sinne der Nornen besitzen und am Gewebe des Wyrd mitweben

Möchte man  den Aufanien z.B.  opfern, sehr wichtige und mächtige Matronen, so kann man frei improvisieren. Sinnvoll wäre aber z.B., als Idee:


Heil Euch Ihr mächtigen Aufanien,

Mächtige Beschützerinnen des Landes

Mächtige Göttinnen und Helferinnen der Frauen und Mädchen

Helferinnen der zu Unrecht Unterdrückten

Ich bin gekommen um im Teilen einen Bund zu schliessen / ihn zu erneuern
 

Man kann, muss aber nicht ein Gelübde ablegen, dass man besser erfüllt, wenn es einmal abgelegt wurde. Gebrochene Matronengelübde sollen mitunter recht üble Folgen haben - ebenso wie falsche Anschuldigungen gegen Andere. Matronen für schwarze Magie zu benutzen ist alles Andere als ratsam.

Ob andere Matronen wie die Vacallinhae sich gerne so anrufen lassen möchten ist nicht bekannt, aber weniger anzunehmen, denn sie sind stammesgebunden und dieser Stamm existiert nicht mehr. Matronen sollen aber auch durchaus reiselustig gewesen sein und auch an anderen Matronen-Heiligtümern auftauchen, die ihnen nicht speziell gewidmet sind.
Andere Götter sollte man in ein Matronenblót nicht mit einschließen, auch sollte man in den Matronenheiligtümern  besser gar keine Blóts für andere Götter abhalten, auch wenn die Römer in Pesch einen kleinen Jupitertempel im sakralen Bereich in Pesch gebaut haben und schon gar keine okkulten Symbole dort herumschmieren etc. oder gar dort campieren. Man versteht sich und die unausgesprochene Hausordnung der Alten Sitte, denn dies sind heilige Orte und eine neuere Haus- und Tempelordnung ist nicht bekannt. Das „kleine Volk“, die Vaettr, Zwerge etc. können aber durchaus auch zum Schluß eines Blóts bedacht werden.

Bild oben: Römisch-germanische Aufanische Matronen (Matronae Aufaniae), örtliche Muttergottheit(en):Weihe-Altar, gefunden unter dem Bonner Münster, Material: Kalkstein (2. Jahrhundert; Aufschrift:Den Aufanischen Matronen hat Quintus Caldinius Celsus (den Altar) gern und angemessen (geweiht).“  GNU Free Documentation License Fotograf: Hans Weingartz

Dass die Römer, wahrscheinlich eher aus Unkenntnis, gerne einmal römische Götter mit Germanischen gleichsetzten, sollte uns heute nicht ermuntern dies ebenso zu tun, es gab aber keine römischen Entsprechungen für die germanischen Matronen, diese wurden mitgenommen und deren Religion  fleißig verbreitet. Insofern würde ich den kleinen Jupitertempel in Pesch und andere römische Korrespondenzphantasien wie z.B. Odin = Merkur und Frigg = Venus usw. einfach nicht beachten, denn er entsprach einer Laune einer Kolonialarmee und antiker Autoren wie Cäsar und Tacitus. Aber ohne diese wäre uns von der Religion um die Matronen viel weniger bekannt, denn diese Armee und die römische Verwaltung hatten das Geld und den kolonialen Habitus uns heute steinerne Reste zu präsentieren, die als Anhaltspunkte für die sakralen Orte dienen. Es waren genau jene römischen Besatzer, die bei der Auflösung des antiken, heidnischen römischen Reiches noch im 4. und 5. Jahrhundert n.u.Z. den Tempel in Pesch z.B. mit bauten und finanzierten, als die als "besonders anpassungsfähig" bekannten germanischen Ubier im heutigen Köln und Umgebung vor allem in den Städten schon fleißig ab dem 2. Jahrhundert einem gewissen Joshua aus dem Morgenland huldigten, im Volksmund später als Jesus bekannt, der sich für die Menschen vor allem dadurch auszeichnete, dass er so trefflich vom Himmel auf die Erde und wieder zurück fahren konnte, das kannte man ja schon von Anderen zu Genüge, in diversen Variationen - die ominöse "Erbschuld" war sicherlich weniger attraktiv für Missionare und deren "Herde", das hat man wohl nachgereicht. Im 5. Jahrhundert war dann allerdings endgültig Schluss mit dem Pescher Tempel, denn er wurde zerstört.

Als Opfergaben waren immer Äpfel beliebt oder Feldfrüchte, Weihrauch wie auf mehreren Darstellungen zu sehen ist, sowie Met und (süßer) Wein, den man in typischer Sumbelmanier opfern kann. Einige Tage sollten Matronenopfer liegen dürfen, auch die Matronenkörbe bis sie dann entfernt werden können.

Geld sollte man nicht opfern, Schmuck und Edelmetalle gehen aber schon, Waffen dürfen speziell in einem Matronenheiligtümer nie getragen werden. Und Zettelchen sollten Sie an der Klagemauer oder im Dom schreiben und "einstecken", aber bitte nicht dort, das gab es gar nicht.

Im Jahr 2010/2011 plante man von kommunaler Seite, den Nettersheimer Altar mit einer Kuppel zu überbauen und abschließen - oder anders ausgedrückt, dem kultischen Nutzen zu entziehen. Es erhob sich ein ungeahnter Proteststurm (mit Ausnahme genannter Herrschaften und Damen aus situierten Großstadtvierteln "dann kann man besser vorbeischauen, immer schön daran vorbei bitte!"), in dessen Folge sogar der Kölner Stadtanzeiger mit bekennenden Leserbriefen "ich bin auch naturreligiös" überhäuft wurde und eine Bürgeranhörung in Nettersheim abgehalten wurde. Das Ergebnis: vorläufig keine Überbauung - alles bleibt beim Alten, aber seit 2014 findet  die Umgestaltung zu einer touristischen "römischen Denkmallandschaft" statt, die bereits jetzt den Charakter des Ortes vollständig verändert hat. Das obige Bild ist deshalb leider Geschichte, aber immerhin hat man nicht vollständig "die Kontrolle verloren" oder sich "mal gehen lassen", indem man die Zugänglichkeit einschränkte.

Wir fordern hier die Behörden der Region und auch einige Freimaurerlogen bzw. deren MitgliederInnen auf, denn die Logen fühlen sich an in der Regel nicht für die Taten Ihrer MitgliederInnen verantwortlich, die sich mutmaßlich  in negativer Weise über die heidnische Religionsausübung an den Matronentempeln äussern und diese mutmaßlich beeinträchtigen wollen, die Religionsfreiheit zu achten und zu beachten. In der Bundesrepublik Deutschland gilt immer noch das Grundgesetz Art. 4 und niemand darf für sich das alleinige Recht auf heidnische oder sonstige Religionausübung in Anspruch zu nehmen. Wenn Sie so an den Matronen interessiert sind, dann gründen Sie doch einen Matronenritus in Ihrer Loge oder bei Ihren Serviceclubs im Damenkreis oder irregulären Vereinigungen etc. , da hindert Sie doch niemand dran und führen Sie den  auch am Besten in Ihrem Tempel aus, machen Sie doch sonst auch.  Verwertbares Material finden Sie z.B. hier, damit es nicht dünn wird.
Und ich habe damit nicht behauptet, dass Sie für die herumgebrüllten Flüche in den Tempelanlagen verantwortlich sind oder sonstiges schäbiges Benehmen dort.
Masonische Rituale u.A.  findet man übrigens hier


Wir hoffen, dass wenigstens in Pesch der alte Zauber erhalten bleibt und BesucherInnen mit naturreligiöser Grundhaltung nicht verfolgt oder verunglimpft werden.  Touristische Archäologieparks mit steriler Atmosphäre sind sicher keine adäquate Antwort auf eine immer noch lebendige religiöse Stätte. Man sollte den Unmut der Göttinnen, die auf neuerliche Entweihungen z.B. in Pesch folgen könnten, bei Planern und Umsetzern nicht unterschätzen. Bei den Alten Ägyptern und ihren Pyramiden hat es bei frevelhaftem Auftreten und Störungen anscheinend funktioniert, sogar tausende Jahre später, als niemand mehr dort opferte , oder vielleicht doch?! ;-)
Es ist bekannt, was im Erftkreis mit den Matronae Austriahenae geschah, von denen es über 150 Votivsteine bei Morken-Harff gab: sie wurden in den 1970er Jahren komplett abgebaggert und vertrieben. Die meisten Matronentempel wurden jedoch durch kirchlich-christliche Überbauung zerstört, wobei ein „Ersatz“ durch die „Jungfrau Maria“ eine besondere Rolle spielte – es bleicht dann hier die Hoffnung, dass die begehrlichkeiten und Übergriffe der Christianiserung jetzt mal abgeschlossen sind und die Pescher, Zingsheimer und Nettersheimer Tempelbezirke davon verschont bleiben wie auch von der Umwandlung in sterile „Museen“.

Wir verfolgen die Entwicklungen aufmerksam weiter. Zumindest sind wir angenehm überrascht, dass man jetzt sogar dort auf recht ansprechenden und mutmaßlich exakten Tafeln sogar von germanischem und keltischem  Kulturgut lesen kann, statt von den zwanghaften "Römern", die uns hier von den Bäumen holten und dann sogleich den christlichen Missionaren überantworteten, aber jede Meneg Kukltur hinterliessen. Auch von vermeintlichen "NS-Bezügen" keine Spur. So ähnlich muss man es leider immer noch an anderen NRW Kulturstätten lesen, auf denen sogar eindeutig vorchristliche gigantische germanische Wallanlagen falsch als römisch inspiriert dargestellt werden.

Zweifel daran, dass wir nur mit Hilfe "der Römer " von den Bäumen runterkamen, bis wir dann in die christliche Notaufnahme verwiesen wurden, werden wie an den Externsteinen gerne mit zweideutigen Verweisen auf "NS-Gedankengut" pädagogisch korrigiert, vorsorglich, weil da mal jemand 1933 oder 1934 im SS Ledermantel und einem Schäufelchen rumgelaufen ist, wobei dann aber mangels Kenntnisse nichts herauskam. Deshalb sind wir besonders froh, dass sich Himmlers "Ahnenerbe", dass sich kräftig bemühte, bis heute alle autochthonen kulturellen Wurzeln wahrheitsfern und sicher nicht ohne Absicht fehlzuinterpretieren nicht bei den Matronen aktiv war und sie als eventuelle Vorläuferinnen des "Deutschen Mutterwerks" verunglimpfen konnte - mangels Interesse. Und nein, das "Deutsche Mutterwerk" bezog sich gesichert nicht auf den Matronenkult - dies nur zur Information, um zu verhindern, dass die herausgeforderten fachkräfte in bestimmten Bereichen überhitzen.