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Samstag, 23. Februar 2019

Heidnische religiöse Praxis: Wie wurde ein Blot gestaltet

- aktualisiert 20.11.2021 -

Dieser Text beschreibt eine Möglichkeit, wie (generalisiert) ein Blót in vorchristlicher Zeit ausgesehen haben könnte.
Ich möchte nochmals betonen, dass dies nur eine theoretische Möglichkeit darstellt, die aus den Fragmenten zusammengesetzt wurde, die wir tatsächlich als Überlieferungen besitzen.
Die Wirksamkeit und die Absichten eines Rituals liegen im Detail und genau diese wurden uns nicht überliefert, ganz im Gegensatz zu vedischen Ritualen beispielsweise. Wir scheinen aber ganz richtig zu liegen, betrachtet man die Blot Filme in Vikings.
Der Text enthält auch nicht alle Bestandteile eines klassischen grossen Gemeinschafts-Blóts  vor 2000 oder auch 1000 Jahren beim Thing o.ä. 

Da Tempel heute mehr als rar sind und die Kirche keine der "übernommenen" Orte zurückgibt, kann man sich einen einfachen und wirksamen Opferplatz gestalten, indem man einen Baumstumpf mit glatter Oberfläche sucht und den Ort dann im Wald mit niedergelegten Ästen umringt. Die Oberfläche des Baumstumpfes bietet sich als Opferaltar an. Ein zusätzlicher Baum im umringten Ort ist noch besser. Das ist schon ein angemessener Opferplatz. Direkt zu Beginn: ich sehe Odin nicht als den Allvater an, sondern als spätere Zufügung um das 4.-5- Jahrhundert, seh dazu die beiden Odin Artikel. Tyr bzw seine frühere südgemanische Entsprechung Ziu entsprechen eher dem Charakter eines umfassenden Gottes, wenn man so etwas überhaupt sucht. Tyr ist weltweit anzutreffen, ebenso wie Njörd an alen Ozeanen der Welt.


Besonders berücksichtigt werden aber die Aspekte rituelle Reinheit und Kraft bzw. megin, die man in etwa mit de hinduistischen shakti gleichsetzen kann.
    
"Wenn die Götter durch Opfer zufriedengestellt sind, werden sie Euch erfreuen und wenn auf diese Weise die Menschen mit den Göttern zusammenarbeiten, wird Wohlstand für Alle herrschen." Bhagavad Gita Vers 11

Die vorchristlichen Germanen waren wie überliefert wird Praktiker, keine Zeremonialmagier. Ziel eines Blóts war es, den Pakt mit den Göttern zu erneuern und zu bekräftigen. Heil und Hamingja finden in den Göttern einen persönlichen Ausdruck und persönliche Vermittler – sie sind ganz davon durchströmt, während  Menschen nur kleinere Teile davon besitzen. Also wird versucht, im Blót die Grenze zwischen Göttern und Menschen zu verwischen und megin (Kraft) zu übertragen, dass im Menschen wie gesagt als Heil und Hamingja wirksam wird, so drückt es z.B. Grönbech aus. Wahrschenlich enstpricht megin der göttlichen alles durchdringenden Kraft shakti im Hinduismus. So soll es aber auch im alten germanischen Blot nicht nur auf Ritualtreue sondern auch auf die Energie der Beteiligten angekommen sein und auf die Fähigkeit zur dementsprechenden Performance. 
Zudem soll ein Blót an die Asen und Wanen und andere dem Chaos und der Vernichtung entgegengesetzten Kräften immer wieder die Welt ordnen, für die Menschen und die Götter und alle Zwischenwesen, da davon ausgegangen wird, dass die eigentlich vorherrschenden Kräfte die der Riesen sind, chaotische, wilde und unberechenbare Kräfte, die zwar für die Entstehung und Erhalt der Welt notwendig sind, aber geformt werden müssen. Deshalb sind z.B. weder Loki-Blóts noch Loki-Heiligtümer irgendwo bekannt, obwohl dieser kein Riese sondern Halbriese ist, aber mit diesen paktiert. Die Vorstellung, dass die Midgardschlange oder der Fenriswolf, Hel etc. Bestandteil eines Blóts zur Zeit der Alten Sitte gewesen sein sollen ist mehr als abwegig. Ebensowenig hat sich irgendjemand damals nach diesen Wesen benannt oder sogar seine Kinder. Es gab aber einige sogenannte Thurser, die ebensolchen taten, in der Seriue Vikings später durch Floki repräsentiert.


Filmclip : Freyrblot in der britischen Diaspora, durch eine Laienpristerin (Lagertha) der eingereisten Wikingersiedler, recht wahrheitsgetreu dargestellt. Britische Christen sind eingeladen gewesen und waren wenig begeistert.

Der Friede ist die wichtigste Eigenschaft eines Blóts und mit diesen Kräften unvereinbar. Ein „Varg i Veum“, ein von zerstörerischen Kräften besessener  Mensch, ein "Wolf im Heiligtum"  während der Blótzeremonie konnte sofort getötet werden meist von den Priestern. Wobei aber wahrscheinlich ist, dass solche Personen gar nicht zum Blót zugelassen wurden. Manche verschaffen sich später Zugang, wie hier in einem Thorblot zu sehen, mit offizieller Priesterin. Man wollte bewusst Unfrieden aschaffen, um Machtansprüche durchzusetzen und Andere zu diskreditieren, eine schwere Straftat, die sofort durch Tötung beendet werden musste. Geschah das nicht, wie im Film, war Unheil die Folge.




Um ein Blot wirksam und gut zu machen, wurde das Wissen im Sinne eines Bewusstseins für die alles durchwirkenden göttlichen Kräfte, Opfergaben und etwas Dramatik eingesetzt.

Und dazu verwendeten die vorchristlichen Germanen in erster Linie Bier. Bier war weit mehr als nur als Getränk bei den Germanen. Das Blót begann zumindest bei den alten Nordmännern in der Braustube, wie Grönbech beschreibt. Das Bierbrauen war der Beginn aller Opferfeste und heilige Handlung an sich.

Durch das brauen eigenen Bieres oder auch Met, wird das persönliche  Heil und Hamingja  verstärkt.


Falls der Ort für das Blót nicht ein Heiligtum an sich darstellt und keine Umgrenzung hat, mußte er „eingehaselt“ werden, z.B. indem Haselstöcke (Vébond)  kreisförmig in den Boden gesteckt werden. Diese Haselstangen konnten mit Bändern verbunden werden. Oder es wurden Steine gesetzt werden oder zur Not andere Formen der Umgrenzung.
(Nachtrag: die Einhaselung wie oben im Bild ist bereits aus der Hallstattzeit, genauer um 520 v.u.Z. wissenschaftlich nachgewiesen und zog sich ebenso nachweisbar durch alle Epochen. Siehe hierzu Dr. habil Sigrid Dusek: Oberdorla - Kultstätte am Opfermoor)

Matronentempel im Pesch, meist ubische germanische Zwischenöttinnen
Dann musste der eingehaselte Ort oder auch das Heiligtum für das Blót Vé gesprochen werden. Vé bedeutet Heiligkeit. Ort und Horn mußten zu Beginn jeden Blóts Vé gesprochen werden. Innerhalb des Heiligen Raumes dürfen keine Waffen oder Waffenähnliches getragen werden, der Friede ist dort das Maß aller Dinge und ist unbedingt einzuhalten. Jemand der im Heiligtum den Frieden bricht, wurde für „Varg i Veum“ erklärt, was Wolf im Heiligtum bedeutet. Ein solcher Mensch konnte rechtmäßig getötet werden und dies geschah wohl auch, wobei dies nichts mit einem Menschenopfer zu tun hatte. Geschah dies nicht bedeutet dies Unheil und Machtverlust.

Zum strittigen Thema Menschenopfer ist zu sagen: diese wurden zumindest in Upsala alle neun Jahre mit neun Menschen durchgeführt, die würdig, ehrbar freiwillig sein mussten. Zuvor fanden langwierige Auswahlprozesse statt. Hier wird solch ein Blot in Uppsala  mit vorherigem Auswahlprozess dargestellt.
 
Für das Opfermoor Oberdorla  in Thüringen sind über den mehrhundertjährig archäologisch bearbeiteten Zeitraum ca. 50 Menschnopfer nachgewiesen, darunter auch Kriegsgefangene. Kriegsgefange wurden aber wohl meist separat nach oder vor Schlachten geopfert und waren sicher nicht freiwillig. Nach der sogenannten Varusschlacht 9 n.u.Z. wurden sicherlich hunderte von Römern den germanischen Göttern vor allem Wotan direkt vor Ort geopfert - wobei dies auch mit Sicherheit als Erfüllung eines Gelübdes einzustufen ist und sich vom Sinn anderer Opferhandlungen unterscheidet. Opferungen von Kriegsgefangenen waren meist nicht freiwillig, stellten aber trotzdem eine Vorzugbehandlung dar, da der Kriegsgefangene zuvor aus der Sklaverei entbunden wurde. Kam auch in Oberdorla vor.

Der Film zeigt ein typisches Laienblot der Krieger ohne Priester.
  
Menschenopfer bei Einäscherungen von Königen und Königinnen waren ebenfalls freiwillig und setzten einen Auswahlprozess vorraus. Die Ausführung waren oft sehr aufwendig, allerdings wurde einfach die Kehle durchgeschnitten. Vikings stellt dies falsch dar. Solche Operungen  waren extrem selten und immer freiwillig. 
 
Hier wurde eine Bootsbestattung mit Menschenopfer einfacher dargestellt. Der Tote war ein lokaler Fürst.

Dass das angebliche "Bloodeageln" keine religiöse Opferung darstellt, versteht sich von selber. Diese angebliche Hinrichtungsart bei späten Wikingern kann so gar nicht durchgeführt worden sein, denn die Verletzungen der Lunge durch Aufschlagens des Rückens führen sofort zum Tode. 
Dies und das sogenannte Odinsopfer auu Island, bei dem sich jemand den Bauch aufschneidet und den eigenen Darm hinauszieht, an einen Runenstein anheftet und dann um den Runenstein herumläuft, bis er tot ist, gehören eher zum Repertoire von protestantischen Missionaren sowie von Freimaurern und Comiczeichnern. 


Da ja die Alte Sitte ab 785 n.u.Z. durch den Übertritt Widukinds nicht mehr die offizielle Religion Südgermaniens war und nach dem 11. Jahrhundert auch nicht mehr in Skandinavien und Island kann man nicht sagen, wie sich die Alte Sitte und das Blót hier verändert hätten. Im Hinduismus nahm die Zahl der Blutopfer jeder Art im Laufe der Zeit ab bis heute. Sicher gibt es auch eine Verbindung zwischen der Häufigkeit von Kriegen und Blutopfern, die im Kriegsfalle massiv anstiegen. Es ist auch eine individuelle Entscheidung und auch jener ganzer Gruppen, ob diese Blutopfer für notwendig hielten oder benötigten und in welchem Masse , um megin zu übertragen. Gerne durchgeführt wurden diese vor allem für Odin jedoch auf jeden Fall auch noch im Jahre 1000 in Skandinavien, das sollte nicht verschwiegen werden.
In Oberdorla wurden zwischen dem 1 und 5. Jahrhundert mindestens 278 Haustiere geopfert, wahrscheinlich aber viel mehr, daneben unzählige Tonkrüge etc., Schmuckgegenstände, Waffen, Schalen mit Getreide etc. Dort wurde noch wohl heimlich bis ins 16. Jahrhundert archäologisch nachweisbar geopfert. Das Grab einer jungen Priesterin im Opfermoor im Sarg aus dem 3.-4- Jahrhundert wurde ausgegraben und archiviert.


Folgende Worte wurden überliefert, bzw. sind denkbar für den Blótverlauf:

„Es kommen solche die kommen wollen

es bleiben solche die bleiben wollen

Es mögen jene gehen, die gehen wollen

Dieser Ort und dieses Horn sind nunmehr heilig - Vé“

Jetzt wurde evtl. Thor um Beistand gebeten mit den Worten


Thor, Thor, Thor

Schütze diesen Ort

Thor, Thor, Thor

Segne dieses Horn

Véurr ist ein Beinahme Thors und bedeutet „Der Beschützer des heiligen Ortes“



Evtl wurde vor dem Betreten des heiligen Bereiches aus dem Sigrdrifa gesprochen:



„Heil Dagr, Heil Dagsöhne,

Heil Nacht und Nachtsippen

Mit milden Augen schaut auf uns

Und segnet uns die wir hier sitzen.“





„Heil Asen, heil Asinnen,

Heil Dir du heilige Erde

Wort und Weisheit gewährt mir

Und heilende Hände allzeit.“



  Rekonst. Heiligtum am "Ahnenpfad" Nähe Oberdorla

Anschliessend wurde ein Horn mit Met oder wie gesagt Bier gefüllt und dem Gott oder den Göttern geweiht für die das Blót bestimmt ist. Ursprünglich stand nur derjenige, der etwas sagte oder der Gode, man stand nicht zusammen im Kreis, sondern saß.

Die Worte wurden im übrigen „für das Horn“ gesprochen (maela fyrir) und pro Runde wurde nur ein Gott angerufen, möglichst mit demselben Text und für denselben Zweck. Das mag für Asatru Leute ungewöhnlich klingen, entspricht aber eher der historischen Realität, als Kreise mit Trinksprüchen. Man mag es vielleicht eher so ansehen, dass die heutigen Asatru Blots mit Kreisen eher Gelegenheits- Sumbeln der Wikinger entnommen sind, denn einem echten Blot. Probiert es aus, was den Unterschied ausmacht, ebenso die Blotzeiten. Ich finde, die Unterschiede sind beträchtlich und die Wirkungen.ebenso. Kreise werden bei Opfern zudem eher mit Okulktismus verbunden. Ein Gode oder Hilfsrietsere oder Blotmen der steht, die anderen anschaut und für alle opfert, ist eine andere Geschichte. Ein kleiner Altar oder eine Erhebung machen sich immer gut.
 Jeder der dran war stand auf, nahm einen Schluck aus dem Horn und sprach. „Sei heil“ sagt der der zuerst trinkt „Trink heil“ sagt der der auf das Horn wartet, berichtet Grönbech.

Die lokalen und regionalen Gottheiten und  die Landgeister wurden am Schluss angerufen.



Freya-Blots: Im Unterschied zu den meisten anderen Blots, sollte man Freya-Blots nicht bei Vollmond, sondern bei zunehmendem Mond begehen. Bei Vollmond kann Freya anschliessend sehr fordernd und strikt werden. Auch sollten Freya und ihr Bruder Freyr nicht in einem Blot beopfert und genannt werden. Der Wald ist Freyas Blotort per se. Eier und tierische Opfer sind sehr opportun, oft Kaninchen. Bier gehört dazu und man kann zum Schlus auch gerne den Naturgeistern und Zwergen zusprechen mit Bier. Freyablots eignen sich besonders dazu, nur dieser Göttin und keiner anderen Göttin oder Gott zu opfern. Freya verkörpert auch sehr stark die Gruppeneigenschaften der sie umgebenden weiblichen Gesellschaft/ Verehrerinnen und ist demnach wesentlich weniger "unabhängig" in ihren Ratschlüssen als andere Götter, das sollte beachtet werden. Da sie sehr stark in Skandinavien verehrt und beopfert wird, hat sie momentan auch dortige weibliche Eigenschaften präsent. Mit den Matronen hat sie nichts zu tun und diese lehnt sie ab. Frauen sind wesentlich eher ihr Metier als Männerdinge und -belange. Dies, um einige Vorurteile über Freya auszuräumen und die Aufspaltung Madonna-Hure in der Zerspliiterung Frigg-Freya aufzuheben. NORNEN Blots gab es auch, in Bonn standen einigen Nornen Tempel und in Köln soll es bis vor 1800 Jahren auch einen Nornentempel gegegben haben. Nornen Blots dürfen nur von speziellen Nornen Priesterinnen abgehalten weden, die allesamt nicht mehr existieren, diese waren sehr unbeliebt bei den Christen und mmussten mit als erste abtreten. Eigenhändige Nornenblots sind ein Tabu. macht man nicht. Nornen sollen Riesinnen sein, sie sind aber eine Sondergattung


Als schlimmste Beleidigung galt es, eine Trunkrunde im Blót für Flüche zu benutzen, weil damit andere und deren Kraft in die niederträchtige Absicht einbezogen wurden und damit trugen alle eine Mitverantwortung für den Fluch. Nichts zu sagen ist zumindest unstatthaft. Früher verteilten die Goden für letzeres Strafhörner, auf Flüche folgten wohl Blutfehden, denn nichts konnte mehr Haß ausdrücken und entfachen als einen Fluch im Blót  zu sprechen.

Bereits vorher wurden auf den Horgr bzw Harug die Opfergaben gelegt. Ein Horgr wurde traditionell aus Haselruten und Erde hergestellt oder ein Holzaltar oder Stein wurde verwendet. Sollte ein Lebewesen geopfert werden - was natürlich nicht sein musste, sondern konnte - dann ist wurde dies  nach den Trunkrunden enthauptet und das Blut auf die Opferenden gespritzt. Natürlich wurde das Fleisch gegessen - ein wesentlicher Bestandteil des Blóts. Die heutigen dörflichen Schlachtfeste sind ein direkter Nachfahre der Tieropfer-Blóts.

Es wurden keine Opfergaben in das Feuer gelegt! Das scheint  weltweit eine Regel, bei allen Völkern zu sein: Das heilige Feuer bleibt das heilige Feuer und darf nicht verändert werden.


In der  Saga von Hakoon dem Guten Kap. 16 wird ein typisches Blót vor ca. 1000 Jahren beschrieben:
 "Es war eine alte Sitte dass zur Zeit der Opferung alle Sippenangehörigen etc. zum Tempel kamen und alles mitbrachten, was sie für die Opferfestlichkeiten brauchten. Alle Männer brachten Bier mit und alle Arten von Vieh, auch Pferde, die geschlachtet wurden, und alles Blut dass von diesen Tieren kam, wurde "hlaut" genannt und die Kessel in denen es gesammelt wurde nannte man "Hlautkessel". "Hlautbürsten" wurden angefertigt, mit deren Hilfe die Altäre und die Tempelwände aussen und innen mit Blut bespritzt wurden. Auch die Menschen wurden mit Blut bespritzt und das Fleisch wurde gekocht zum Verzehr. Das Feuer war in der Mitte des Tempels und darüber hingen die Kessel und volle Hörner wurden über das Feuer gereicht und der der das Blót veranstaltet und ein Häuptling war, segnet die vollen Hörner und alles Opferfleisch. Als erstes wurde Odins Horn geleert für Sieg und Macht für den König. Danach folgten Njörds und Freyas Hörner für Frieden und eine gute Ernte. Dann war es Sitte vieler ein Schwur-Horn zu leeren für die Eide, danach folgte ein Erinnerungshorn an verstorbene Freunde und Verwandte."



Bild oben: Matronenheiligtum Pesch

von D. Herdemerten --Hannibal21 


Bild oben: Altar am Opfermoor Niederdorla
von Metilsteiner

Komplett erhaltener Tempel mit Hof und Horg in Norwegen gefunden

Archäologen in Ranheim bei Trondheim in Norwegen haben eine komplett erhaltene eisenzeitliche heidnische Kultstätte gefunden und ausgegraben. Die Kultstätte aus dem 5. Jahrhundert wurde vor ca. 1000 Jahren wahrscheinlich absichtlich und vollständig mit einer dicken Schicht Torf bedeckt, um eine Zerstörung, wahrscheinlich durch christianisierte Herrscher zu verhindern. Diese Torfschicht verhinderte ähnlich wie die Erdschicht in Kalkriese später die Beschädigung durch landwirtschatliche Pflüge. Die Entdeckung sei in Norwegen einzigartig, versicherte Preben Rønne von der Universität Trondheim. LINK zur englischen Version.  
FOTO: PREBEN RØNNE, NTNU, VITENSKAPSMUSEET.



Der "Gudehovet" besteht aus  aus einem grossen  Steinaltar, einem sog. HORG (hörgr) , althochdeutsch harug, daneben deutliche Gebäudespuren eines Tempels mit Idolresten von Freyja, Frey, Odin und Thor sowie von Ahnenfiguren, die ebenfalls verehrt wurden. Zusätzlich legten die Archäologen eine Prozessionsstrasse frei, die von grossen Steinblöcken flankiert wurde.
Der Altar, bei dem starke Tierblutspuren gefunden wurden, besteht aus einer kreisförmigen Steinsetzung mit 15 m Durchmessern und 1 m Höhe. Das hölzerne Tempelgebäude oder HOF in unmittelbarer Nähe maß 4,5 x 5,3 Meter und bestand u.a. aus 12 Säulen, die jeweils auf einem Steinfundament ruhten. Eine profane Nutzung des Gebäudes ist ausgeschlossen, da man z.B. die Löcher für die Götterfiguren und keine Feuerstelle vorfand. Als Opfergaben wurden  2 Glasperlen und Knochen, darunter auch menschliche Schädelknochen und Zähne gefunden. 
Es gibt einige Hinweise darauf, dass die Anlage bewusst versteckt  wurde, um sie vor  Zerstörung zu bewahren. Viele Heiden flohen zu dieser Zeit auf die nordwestlichen Inseln wie Island.
Eine genaue wissenschaftliche Beschreibung der Tempelanlage kann man  sich hier anschauen:  Horg, Hov og Ve, von Preben Ronne oder sich mit einer kürzeren Version in englisch behelfen: mit dieser  Veröffentlichung.                                                                                                                            FOTO: PREBEN RØNNE, NTNU, VITENSKAPSMUSEET

Dieses seltene Beispiel einer kompletten Tempelentdeckung aus der Eisenzeit bis zur Christianisierung dürfte hoffentlich in Südgermanien die Diskussionen abschliessen, ob es heidnische Tempelanlagen bzw. ein Priestertum gab. (wobei diese
Diskussion nach den Ausgrabungen des Opfermoors Oberdorla in Thüringen hätte beendet oder zumindest insoweit berichtigt hätte sein sollen, dass zwar kein Priesterstand nachgewiesen ist, wohl aber Priester und Priesterinnen).

Schon die Motivation des Versteckens legt sehr nahe, dass vorchristliche Tempel fast ausnahmslos zerstört wurden und die  Priester entweder ermordet oder christianisiert wurden. Siehe hierzu auch Dubois: Nordic Religions in the Viking Age, der beweist, dass die Ermordung von Priestern, sowohl heidnischer als auch christlicher, gang und gäbe war, wie auch die gegenseitige Zerstörung heiliger Stätten. (Wobei es auch zur heidnischen Sitte gehörte, die Tempel und Haine anderer Heiden zu zerstören oder zu schänden und die Priester zu entführen, verstümmeln oder zu töten in Fällen kriegerischer Auseinandersetzung.)

Ausdrückliche Erwähung finden kontinentalgermanische Priester auch in der DDR Wissenschaft. Im Heft von Frau Dr. habil  Sigrid Dusek zur Monografie des Opfermoores Oberdorla von Prof. Dr. Behm-Blancke heisst es auf S. 27 ausdrücklich (Abb. der Broschüre mit Blotszene unten):
"Besondere Beachtung erfährt der Fund eines großen Holzbehälters (Abb 22c) ein langer Trog, 2,00 m lang und 0,60 cm breit, mit Tragflächen an den Schmalseiten. Nach Ansicht des Ausgräbers handelt es sich um einen Sarg, wohl einer Priesterin, denn es fanden sich sowohl neben dem Altar als auch nördlich ausserhalb des Heiligtums verstreut Sarg- und Skelettreste, die von einer 15-16jährigen weiblichen Person stammten."

Weiter heisst es auf S. 47:
"Danach berührte der Priester es (das Opfertier) mit einem frischen Zweig. Der "Schlächter" (also ein profaner Gehilfe, wohl der berühmte "Blotmen") tötet das Tier. Unter Aufsicht des Priesters erfolgte die Auswahl der Fleischteile sowohl für die Opferung als auch für das heilige Mahl."

und besonders wichtig:

"Aus der geringen Größe der Heiligtümer ergibt sich die Vermutung, dass während der Zeremonie nur der Priester Zugang in die eingehegte Kultstätte und zum Altar hatte, während die Kultgemeinde sich ausserhalb versammelte."
Eine recht deutlich Darstellung der Sonderstellung des Priesters und einer Rangordnung in der Kulthandlung.

Die komplette Monografie von Prof. Behm-Blancke und Sigrid Dusek ist nicht mehr oder nur antiquarisch erhältlich, aber hier in Gänze einsehbar:



Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass neben den Familienpatriarchen, die kleineren Blots vorstanden, die im Hof durchgeführt wurden, an den Heiligtümern religiöse Spezialisten im Einsatz waren, ergo Priester. Zudem wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diesbezügliche  Angaben von Tacitus durch die Grabungen bestätigt wurden. Diese Auffassung macht unserer Meinung nach Sinn: Priester an den verstreuten Höfen vor allem in Nordeuropa kamen wohl nicht oder weniger vor, obwohl auch von einem Stammespriester im Heimatdorf von Armin dem Cherusker berichtet wird (GEO DVD Die Germanen). In den Weilern und Höfen gab es kaum Platz für einen hauptberuflichen Spezialisten. Kult- und Wissenträger wird es aber auch in den verstreuten Höfen, oft auch für mehrere übergreifend gegeben haben. An den zentralen und berühmten Kultstätten wie Uppsala und Oberdorla etc. pp muss es schon aus arbeitstechnischen Gründen hauptberufliche Priester gegeben haben. Dies entspricht auch der nachgewiesenen Tradition indogermanischer Gruppen.

Auch die transatlantische "Welt" kann sich der neuen Erkentnisse nicht enthalten, denn auch in Kontinentaleuropawerden werden überall Tempel ausgegraben und dementsprechend  wird es sie auch gegeben haben.

Runen wurden bereits im 3. Jahrhundert n.d.Z. nachgewiesen: Aus den Funden im Opfermoor Oberdorla, besonders aus dem Grab der Priesterin aus dem 3. Jahrhundert kann auch der Gebrauch von Runen belegt werden. Auf einer Drehscheibenschale war eine Sowilo Rune eingeritzt.

Priester und Tempel

Die Forschung legt damit nun sehr nahe, dass es  Priester, altnordisch im Plural  godar (althochdeutsch harugari gab, die sich wiederum von den ewarto und esagi, die lediglich den Ritualablauf zu überwachen hatten unterschieden) und die sich beruflich mit unserer Religion beschäftigten. Es ist richtig, dass der Titel godi ein rein isländischer Titel war, ein Häuptlingspriester, das ergibt sich aus der besonderen Situation Islands als skandinavischer Aussenposten für lange Zeit, wo es keinen direkten König gab. Im restlichen Skandinavien gabe es wohl mehrere priesterliche Spezialisten, nicht nur einen: Den  Lytir (der der opfert ) und den Vífil (der segnet).

Daneben gab es den Þulr in mehreren germanischen Sprachen, nach Steinsland ein Gesetzessprecher und Kultführer. Aus der Darstellung des Þulr in Havamal 111 zeigt sich deutlich dessen herausragende Stellung im Kult und der Mythologie, denn der Þulr sitzt im Hochsitz neben der Quelle Urdr  in einer fast kosmischen Position. Der Þulr ist in diesem Fall ein echter Bewahrer  des gesamten kulturellen und mythologischen Wissen.


Mál er at þylja
þular stóli á
Urðarbrunni at,
sá ek ok þagðak,
sá ek ok hugðak,
hlýdda ek á manna mál;
of rúnar heyrða ek dæma,
né of ráðum þögðu
Háva höllu at,
Háva höllu í,
heyrða ek segja svá:


Zeit ist's zu reden
vom Stuhl des Redners. (Þulr).
Am Brunnen Urds
saß ich und schwieg,
saß ich und dachte,
hörte ich auf der Männer Rede;
über Runen hörte ich sprechen,
und sie verschwiegen Rat nicht
bei des Hohen Halle;
in des Hohen Halle
hörte ich solches sagen:
Havamal 111


In der Übersetzung des frühmittelalterlichen Textes aus Deutschland: "Die abergläubischen und heidnischen Gebräuche der alten Deutschen nach dem Zeugnis der Synode von Liftinae im Jahre 743" vom bischöflichen Konsortialrat Professor Franz Widlak heisst es eindeutig von den Tempeln:

IV. Von den Häuschen, das ist Götterhütten.

("de casulis, id est fanis." Indiculus superst. et pagan. num. 4)



"Einzelne Landgemeinschaften versammelten sich bei abgelegenen und verdeckten Hütten, die sie als ihren Göttern geheiligt ansahen, und hielten hier ihre Privatfeste; von diesen Hütten spricht die Nummer 4 des liftinischen Verzeuchnisses. Die Geschichte berichtet uns, wie das heidnische Volk an den abgöttischen Laubhütten hing und wie hoch sie es schätzte.Man erkühnte sich nicht, ein Blatt oder ein zweig von den dabei stehenden Bäumen abzubrechen; die Bischöfe und Priester legten daher selbst Hand an, um diese Göttertempel zu zerstören."


Die Priester im germanischen Heidentum lebten außerhalb der Dörfer und Gehöfte in Laubhütten und Holzhütten im Wald, gehörten aber fast immer zu einer Sippe. Sie wurden hoch geehrt und bekamen von der Gemeinschaft den Lebenunterhalt gestellt. Die Ähnlichkeiten zu den Verhältnissen im früheren Hinduismus sind frappierend. Bei der Christianisierung zogen sich die meisten der Priester für immer in den Wald zurück, wenige wurde christliche Priester. 

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, weshalb einige deutsche Wissenschaftler wie der Religionswissenschaftler Meier aus Bonn den Brauch des Blutbespritzens, hlaut, als christliche Rückspiegelung werten können und die Existenz von Priestern und Tempeln verleugnen im germanischen Heidentum. Dafür gibt es nicht den geringsten Beweis oder eine Logik für diese Behauptung. Es ist eher wahrscheinlich, dass das bespritzen, wie auch viele andere heidnische Kulthandlungen ins Christentum und insbesondere in den Katholizismus übernommen wurden, mit Weihwasser. 
Aber es gibt noch wesentlich Schlimmeres, wie den Philosphen Haller, der jetzt für die 3WK versucht  in der Vor- und Frühgeschichte zu stümpern, promoviert an der Uni Bonn, mit der Behauptung, bei den Germanen habe das Matriarchat geherrscht und deshalb seien diese untergegangen. Mit so etwas kann man in Bonn immer noch das große Wort führen, in Dyroffstrasse 2 und in den angeschlossenen ´teilen der Uni Bonn, wenn man sich vorher mit dem Alten Ägypten blamiert hat.Das macht aber in Bonn gar nichts, zudem in der notorischen Loge auch Walter Steinmeier bisweilen herumläuft. 

In der Saga von "Hakon dem Guten" wird auch eindeutig von Tempeln und Altären gesprochen, die mit Blut bespritzt wurden: ""Hlautbürsten" wurden angefertigt, mit deren Hilfe die Altäre und die Tempelwände aussen und innen mit Blut bespritzt wurden."
Da stellt sich die Frage, welche Wände denn da mit Blut bespritzt wurde, wenn es denn nach Meinung einiger Religinswissenschaftler gar keine Tempel gab?


Die skandinavische, fanzösische und auch US-Forschung zur nordischen Mythologie mit ihren renommierten Forschern wie Dumezil, Grönbech, Dubois, Strömbäck, Ström, Ohlmarks, Steinsland etc. pp kommen zu dem Schluss, dass eine komplexe religiöse Kultur mit Spezialisten, Tempeln und einer jahrhundertetelangen, wenn auch schwierigen bis feindseligen Koexistenz und Durchdringung zwischen heidnischen und christlichen Vorstellungen.
 (Bild oben: Der heidnische Tempel in Uppsala in einem Holzschnitt von Olaus Magnus)



Nachtrag:
Leider ist der Tempel in Ranheim jetzt endgültig durch den Bau einer Wohnsiedlung zerstört worden. 


Foto: Holzschnitt: Olaus Magnus - On the Glorious Temple Devoted to the Nordic Gods über den Tempel in Uppsala


QUELLEN:
Dubois: Nordic Religions in the Viking Age
Fotos mit freundlicher Genehmigung von  Preben Rønne, Universität Trondheim
Weitere Quelle : Aftenposten
Oberdorla-Kultstätte am Opfermoor von Dr. habil. Sigrid Dusek
Prof. Behm-Blancke: Heiligtümer der Germanen und ihrer Vorgänger in Thüringen. Die Kultstätte Oberdorla
Steinsland: Norrøn religion: Myter, riter, samfunn. Oslo: Pax, 2005. ISBN 8253026072


 
Complete Horg found in Norway

Archaeologists at Ranheim in South Trøndelag have found a near complete place of worship that was probably in use from the 5th century until it was deliberately covered up with peat around one thousand years ago, probably to prevent its destruction by the Christians.
The horgr consisted of  a stone set altar and traces of a wood building that probably housed statues of the gods in the form of logs with the carved faces of Thor, Frey and Odin. Also prominent ancestors were honored in this way.  Close by the archaeologists uncovered what they believe to be a processional road.
Thanks to the thick layer of peat covering the find, no plow has penetrated it so the Horgr is very well-preserved. The altar or stalls where animal blood has been offered, consist of a stone circle of 15 meters in diameter and 1 meter high.  The wood building or hof that used to stand a few yards away was 4,5 x 5,3 meters and was erected using 12 wood columns, each supported by a heavy stone fundament, and was clearly not used as living quarters. For example there was no fireplace. Inside they found 4 pole holes that may have been traces of the high seat where the images of the gods rested between ceremonies. The procession road was marked by parallel rows of stone, the longest 25 meters in length.

-Much indicates that the people who deliberatley covered the horgr at Ranheim, carried the poles from the stave house, as well as earth from the altar to the place where they settled and raised their new Horgr. Because our find and the Norse sources fit so well together, these sources must have been more reliable than many scientists until now have believed, says Preben Rønne who leads the dig. Unfortunately this holy place will be lost as it will be removed to give space for a developing housing project. But there is an effort underway to have the Directorate of Cultural Heritage protect the site.